Batteriealterung des e-Golf

#1
Hallo,

ich hatte vor längerer Zeit im goingelectric Forum schon mal ein Thema dazu aufgemacht, das hat sich leider etwas verlaufen. Mich würde interessieren, wie es mit der Alterung der Batterie im e-Golf aussieht. Dazu würden mich die Erfahrungen anderer e-Golf Fahrer interessieren.

Ein VW Ingenieur hatte mir auf der eCarTec in München erklärt, dass die Reichweitenanzeige nach einer Vollladung im Stand mit Eco+ und deaktivierter Klimaanlage ein guter Indikator wäre, um die zur Verfügung stehende Kapazität der Batterie abzuschätzen. In dem Fall wird die Reichweite nämlich unabhängig von der früheren Fahrhistorie berechnet (das erklärt im Übrigen auch den schnellen "Reichweitenverlust" nach dem Losfahren).

Mein e-Golf wird im August 2 Jahre alt und hat momentan etwa 44.000 km auf dem Tacho. Ich hatte immer mal wieder die Reichweitenanzeige nach oben beschriebenem Vorgehen beobachtet und ich muss sagen, dass ich absolut keine Veränderung feststelle. Ich beobachte minimale Schwankungen der Reichweite, so im Bereich 199-205 km, aber keine Tendenz, dass es stetig weniger werden würde. Bei der letzten Kontrolle hat er mir z.B. wieder 204 km angezeigt, meistens sind es aber so 200 km.

Auch in der Praxis kann ich keinen Reichweitenverlust feststellen, muss jedoch dazu sagen, dass ich schon länger keine Langstreckenfahrt mit dem e-Golf mehr absolviert habe, in der ich die Batterie komplett leer gefahren hätte.

Ehrlich gesagt wundert mich das schon ein wenig, natürlich im positiven Sinne. Von anderen E-Autos (z.B. Zoe, Leaf oder Tesla) liest man in den Berichten immer wieder, dass die Reichweite messbar nachlässt, wenn auch in durchaus akzeptablem Rahmen. Ich persönlich hätte damit gerechnet, dass auch der e-Golf nach dem ersten Jahr ein wenig an Kapazität einbüßen würde, aber danach sieht es jetzt mal noch nicht aus. Ich will jetzt natürlich nichts heraufbeschwören. :)

Wie sieht das bei euch aus? Gibt es jemanden, der am e-Golf bereits einen Reichweitenverlust festgestellt hat? Oder ist das nutzbare Kapazitätsfenster so gewählt, dass es noch ein paar Jahre dauert, bis die ersten fühlbaren Verluste eintreten?

Gruß
Oberyn
 
#2
Hallo Oberym

Kann dir bestätigen, dass auch mein Black - Sioux nach ca. 15'000 km und 1,5 Jahren ebenfalls mit den vorgeschlagenen Einstellungen noch auf 204 km (welche sich dann aber auf dem 1. gefahrenen km auf ca. 170 verringern) :huh:
 

Linksflieger

Fortgeschrittener
#3
Hallo,

nach "nur" 4500 km kann ich natürlich noch nicht mitreden, mich würde aber interessieren wie sich dasLadeverhalten auf die Lebensdauer auswirkt.

Ich habe am Arbeitsplatz die Möglichkeit einen Stellplatz mit Wallbox zu nutzen, ist aber eingentlich nicht wirklich notwendig wenn die letzte Strecke nach aufladen 20 km mit durchschnittlich 12 - 12 kW beträgt (einmal nach Hause und zurück). TEndenziell neige ich dazu den Akku nach Möglichkeit immer voll zu haben, aber schaden solche Ladegewohneheiten dem Akku oder ist das egal ?

Gruß,

Lifli
 
E

egolf14

Gast
#4
Ich bin inzwischen bei 15 Monaten und 16.342 km angelangt.
Mal von den vielen CCS Ladungen abgesehen lade ich zu Hause, meist über Nacht an einer Mennekes Wallbox,
oder mit dem VW Ziegel. Mal von Rest 5 km, mal von Rest 80 km. Wie es eben passt.
Ich vertraue da voll und ganz auf die e-Golf seitige Software.
Die regelt ab wenn der Akku voll ist. Sicherlich schon bei ca. 95 %.
Als max. Reichweite wurde von Anfang an immer nur 192 km angezeigt. So ist es heute auch noch.
Wenn der Akku "voll" ist bringt auch ein erneuerter Start der Wallbox nichts. Wenn voll dann voll. (y)
 

EGO

Schüler
#5
Guten Morgen.
Ich bin der Meinung dass hohe Ladezustände auf Dauer schon schädlich sind. Ich lade deshalb nur voll, wenn ich wirklich vorhabe eine größere Strecke zu fahren. Sonst nutze ich immer die Möglichkeit die obere Ladegrenze auf 80% zu stellen.

Allerdings wird der Akku aber auch bei einer 100% Ladung nicht zu 100% geladen sondern etwa zu 95% ist da sc. Somit ist da schon eine Reserve eingebaut.

Um Akkus aber möglichst lange fit zu halten versuche ich alle meine Geräte möglichst selten auf 100% zu laden. Mein Handy zB. Lade ich nie über Nacht, sondern immer vor dem schlafen gehen und stecke es dann gegen 24 Uhr wieder ab. So vermeide ich lange andauernde hohe Ladestände.

Andererseits finde ich dass man sich nicht zu viele Gedanken machen sollte. Sonst verliert man den Spaß am Egolfen...

Gruß Jürgen
 
#6
VW hat in der Batterie Klausel folgendes stehen. Nach 8 Jahren und oder 160.000 Kilometern sollen noch mindestens 70% Restkapazität garantiert werden, sollte dem nicht so sein, ist ein Tausch auf Kulanz möglich. Mal als grober Richtwert.
 
E

egolf14

Gast
#7
Helbig said:
VW hat in der Batterie Klausel folgendes stehen. Nach 8 Jahren und oder 160.000 Kilometern sollen noch mindestens 70% Restkapazität garantiert werden, sollte dem nicht so sein, ist ein Tausch auf Kulanz möglich. Mal als grober Richtwert.
Das trifft für mich nicht zu. Meiner geht im März zurück an VW.
Oder er bleibt mit dem neuem leistungsstarkem Akku in der Familie.
Mal sehen wie hoch die Übernahmesumme ist.
 
#8
Helbig said:
VW hat in der Batterie Klausel folgendes stehen. Nach 8 Jahren und oder 160.000 Kilometern sollen noch mindestens 70% Restkapazität garantiert werden, sollte dem nicht so sein, ist ein Tausch auf Kulanz möglich. Mal als grober Richtwert.
Ich hoffe, das bedeutet nicht, die Batterie ist so ausgelegt, dass sie nach 8 Jahren bzw. 160.000 km noch 71% Restkapazität hat. Obwohl es mir persönlich egal sein könnte, da das Auto spätestens in einem Jahr zurück geht (Leasing). Ich fände es aber einfach schön, wenn mein e-Golf auch in 5-10 Jahren in 2. oder 3. Hand noch treue Dienste als Kurzstreckenauto verrichten würde - mit Originalbatterie.

Ein paar Tipps zur "Batterieschonung" wären wirklich nicht schlecht. Aus den bereits genannten Gründen habe ich meinen e-Golf jetzt im Sommer auch oft so eingestellt, dass er nur bis 90% lädt. Bringt das irgendetwas oder ist das vollkommen überflüssig? Immerhin hat man mit dieser Strategie nach dem Laden bereits volle Rekuperation...

Offizielle Batterietauschangebote der Hersteller finde ich zum jetzigen Zeitpunkt übrigens überflüssig. Die Technik steht noch viel zu sehr am Anfang, als dass man sich jetzt noch den Klotz ans Bein binden sollte, um über Jahre hinweg kompatible Batterieupgrades zu versprechen. Die Hersteller sollten sich meiner Meinung nach den Aufwand sparen bzw. lieber in die Entwicklung neuer und besserer Autos stecken. Wenn wir mal bei 400-500 km Reichweite in der Kompaktklasse sind, können wir uns nochmal darüber unterhalten. Die wenigen E-Autos, die wir heute fahren, sollten in Zukunft lieber mit Originalbatterie als Kurzstreckenfahrzeuge eingsetzt werden, dafür gibt es Bedarf genug.
 
C

chef

Gast
#9
Wenn man in dem "anderen" Forum ;) in den entsprechenden Threads auch ein wenig rumschaut und über alle Fabrikate liest fällt nirgendwo ein nennenswerter Kapazitätsverlust auf - warum sollte das bei VW anders sein ... ?
 
#10
Da müsste man natürlich erst mal definieren, was "nennenswert" ist. Bei anderen Fabrikaten (z.B. Zoe, Leaf) habe ich durchaus schon von Verlusten gelesen. Dafür gibt's entsprechende Threads im Forum. Nur der i3 und der e-Golf scheinen sehr standfest zu sein.

Ich hatte auch mal einen Tesla-Vielfahrer getroffen, der meinte, seine 2. Batterie hätte nach 110.000 km noch etwa 90% der Anfangskapazität. Die Kilometerleistung klingt natürlich erst mal enorm, aber in Zyklen gerechnet hatte die Batterie weniger Vollzyklen als die meines e-Golf. In meinen Augen sind 10% Verlust nennenswert und insbesondere bei den Mini-Batterien der 25 kWh Klasse auch spürbar. Dass die Fahrzeuge auch mit 90% oder 80% ihre Zwecke vollständig erfüllen können, steht außer Frage!
 
#11
Habe mal bei unserem eGolf nachgeschaut:
ca 34000 km, 15 °C, Heizung/Klima aus
Normal = 190 km
Eco = 194 km
Eco+ = 196 km

Die letzten Tage bin ich viel Kurzstrecke gefahren.
Hatte aber auch nach längeren Fahrten mit gemäßigter Fahrweise hatten wir nach dem Laden auch schon Eco+ = 206 km angezeigt bekommen

Ich meine mich zu erinnern als ich ihn Neu bekommen habe hat der eGolf bei Eco+ ca. 194 km angezeigt.
 
#13
Adi said:
Hab gestern Freitag bemerkt, dass meiner seit letztem Sonntag am Ziegel hängt...
Geh ihn wohl heute mal ausstecken.
:)
Pass auf Adi - wenn er beisst ist das nur weil er dich nicht mehr kennt :cry: vernachlässigst du den Rest der Familie auch so? Aber keine Sorge, meiner ist schon 2 Wochen am Ziegel gehangen ohne Schaden zu nehmen - der Ziegel unterbricht sobald voll geladen die Stromzufuhr.
 
E

egolf14

Gast
#14
5 Tage ohne e-Golf !
Wie kann man das aushalten ?
Ich nehme meinen sogar mit in den Urlaub. Das hat er sich verdient. (y)

Am liebsten auch mit ins Bett, aber da liegt ja der Hund. :unsure:
 
#18
Sorry, aber ich muss da "reingrätschen".

So einfach ist das Thema nicht und solche
Ladebreich DOD / SOC und Lebensdauer der Batterie
Aussagen sind nur sehr bedingt richtig.

Ein VW Ingenieur hatte mir auf der eCarTec in München erklärt, dass die Reichweitenanzeige nach einer Vollladung im Stand mit Eco+ und deaktivierter Klimaanlage ein guter Indikator wäre, um die zur Verfügung stehende Kapazität der Batterie abzuschätzen.
Auch wenn das ein Ingenieur von VW war, diese Aussage ist falsch. Es gibt kein Messgerät, das die Kapazität eines Akkus im "Leerlauf" misst. Die Kapazität kann nur durch einen Entladezyklus bestimmt werden und dann mit einem Referenz-Entladezyklus unter gleichen Bedingungen verglichen werden. Die oben beschriebene "Reichweitenanzeige" basiert üblicherweise auf die Spannung und ist ein Indikator wie voll die Batterie ist. Außerdem kann damit eine defekte Zelle (bzw. Bank) dadurch ermittelt werden.

Kapazitätsverlustfaktoren
  • Laden/Entladen bei niedrigen Temperaturen
  • Hohe Laden/Entladen Ströme
  • Vollladezyklen
  • DOD (Depth of discharge) / SOC (State of charge)
  • Lagerung
Das sind die wichtigsten Faktoren und vor allem Kombinationen (z.B. Schnellladen bei niedrigen Temperaturen) können zu extremen Kapazitätsverlusten führen.

Ich schreib mal zu jedem Faktor ein paar Bemerkungen.

Laden/Entladen bei niedrigen Temperaturen
In vielen Datenblättern steht, dass Laden nur über 0°C erlaubt ist, in manchen sogar nur über 10°C. Empfohlen wird das Laden zwischen 10°C und 45°C. Bei einem BMS wird die Temperatur am Zellenfühler auf 65°C gestellt. Drüber sollte das BMS abschalten oder den Strom reduzieren. Es gibt vor allem beim Laden unter 0°C (Zellentemperatur) einige Tests, die schon nach wenigen Ladezyklen bei Temperaturen < -20°C bis zu 20% Kapazitätsverlust führen. Hohe Ströme beschleunigen dieses. Also auf keinen Fall bei extremer Kälte an die 50kW CCS Lader!

Hohe Laden/Entladen Ströme
Mein Lieblingsthema :) Viele Nutzer wollen ihre Akkus möglichst schnell aufladen, dabei beeinflussen vor allem hohe Ströme Kapazitätsverluste. Eine Faustformel gibt es dafür leider nicht, da andere Faktoren (z.B. Außentemperatur, DOD, Innenwiderstand, Zellenchemie, ...) noch dazu kommen.

Vollladezyklen
Es gibt hier gute und schlechte Nachrichten. Zuerst die Schlechten. Die Anzahl der Volladezyklen hat einen Einfluss auf die Kapazität. Je nach Zellenchemie von Lithium-Ionen-Akkus sind es 500 - 1000 Volladezyklen. Jetzt die gute Nachricht. Die Zellen haben dann immer noch 70% - 80% von ihrer Ausgangskapazität und halten noch ziemlich lange. Leider steigt mit der Zyklenzahl auch der Innenwiderstand, was sich dann wiederum negativ auf die Leistung auswirkt.

DOD (Depth of discharge) / SOC (State of charge)
Wie schon im Link vom 11. Beitrag richtig beschrieben ist, wirken sich DOD bzw. SOC auf die Kapazität aus. DOD 100% wird generell nicht ausgereizt und SOC 100% auch nicht. Wie schon mehrfach erwähnt, ist beim e-Golf das SOC auf ~95% eingestellt und das DOD üblicherweise 93%. D.h. SOC 100% bis DOD 100% trifft eh nicht zu. Richtig ist auch, wenn der Akku meistens zwischen SOC 80% und DOD 30% benutzt wird, verliert er weniger Kapazität. Ich lade selten bis 100%, sondern meistens nur bis 90%. Nie vollmachen kann auch schädlich sein, da das BMS die vielleicht auseinander gedrifteten Zellspannungen erst beginnt anzugleichen, wenn die Zellen am Ladeende nahezu voll sind.

Lagerung
Dieser Faktor wird am meisten unterschätzt. Li-Ion-Akkus bei möglichst kühlen, aber frostfreien Temperaturen in trockener Umgebung bei 50% DOD lagern. Besonders schlimm ist es, einen Li-Ion-Akku immer ganz voll geladen zu lagern. Vollanden ist schon ok, wenn man dann gleich losfährt. Akkus von Notebooks und Smartphones verlieren schnell an Kapa, weil die Anwender diese Geräte immer angesteckt lassen um ja keinen leeren Akku zu haben. Ganz entladen ist natürlich auch nicht gut, da angeschlossene Verbraucher (dazu zählt auch das BMS) zur Tiefenentladung führen können.

Das führt und zu Faktoren, die den Akku schädigen können. Die Tiefenentladung ist der bekannteste Faktor. Damit das nicht vorkommt, haben wir ein BMS (Batterie Management System) drin. Das schützt auch davor, das einzelne Zellen überladen werden. Eine Überladen kann zu einem Brand führen! Außerdem wirken sich mechanische Einflüsse auf den Akku aus. Ich bin aus wissenschaftlicher Sicht schon auf die ersten Unfälle gespannt. Bitte nicht falsch verstehen.

Hier noch ein paar interessante Links zu Li-Ion-Akkus
Laden und Lagern von Li-Ion-Akkus
Zyklustest: Laden bei starkem Frost
Erfahrungen mit den 18650-Zellen LG MH1 / LG MJ1 / Samsung 35E / Sanyo NCR GA
Dampfakkus.de
budgetlightforum.com
 
C

chef

Gast
#19
Zum einen - erst mal Danke Dir für die ausführlichen Infos ...

Zum anderen - wenn ich anfangen müsste aus meinem E-Auto eine "Wissenschaft" zu machen würde ich sofort wieder zum Verbrenner wechseln ...

Ich lade immer voll wenn möglich (nur nicht wenn das Auto längere Zeit steht) - ich lade bei jeder Temperatur - egal ob DC oder AC - ich fahre soweit runter wie nötig und bei alle dem denke ich dabei niemals an den Akku, sondern an die Tatsache anzukommen bzw. bereit zu sein ...

Sinngemäß abgeleitet nach dem Motto von fisherman's friend - Bin ich zu stark ist der e-Golf bzw. dessen Akkkupack zu schwach ... :D
 
#20
Herzlichen Dank für die Infos zum Akku - ich werde mich wo es passt daran halten und wenn ich halt irgendwann bei -20 Grad vor einer 50kW Säule stehenbleibe beten, dass mein Akku überlebt... (aber erst nachdem ich Gott gedankt habe, dass ich noch bis zur Säule gekommen bin! :p )
 

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